
Der amerikanische Arzt Dean Ornish veröffentlichte im Juli 1990 im renommierten Fachblatt "The Lancet" eine vielbeachtete Studie, in der er nachwies, dass sich die koronare Herzkrankheit allein durch Veränderungen des Lebensstils wirksam behandeln ließ. Bisher galt die Lehrmeinung, dass die Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die die Durchblutung des Herzens und damit seine Sauerstoffversorgung beeinträchtigen, ausschließlich durch eingreifende Maßnahmen wie Ballon-Dilatation oder Bypass-Operation beseitigt oder durch Umgehungsadern umgangen werden könnten.
Dean Ornish zeigte jedoch, dass ein weitgehender Verzicht auf Fett in Verbindung mit Stressbewältigung, Bewegung und Rauchverzicht Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen nachweislich verschwinden lassen kann und so die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall reduziert - auch ohne blutfettsenkende Medikamente, ohne Katheter-Eingriff, ohne Bypass. Und er bewies es für die wissenschaftliche Fachwelt hieb- und stichfest und für jedermann nachvollziehbar anhand von Herzkatheter-Aufnahmen nach dem Vorher-Nachher-Prinzip.
Ornish leitete mit dieser Strategie einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Medizin ein. Aus dem Patienten als Befehlsempfänger und Mündel des Arztes in Sachen Krankheit und Gesundheit wurde eine eigenverantwortliche, mündige Persönlichkeit, die mit dem Arzt als Partner auf Augenhöhe kommuniziert. Eigenverantwortung bedeutet aber auch Eigenaktivität. Der Patient muss selbst etwas zu seiner Gesunderhaltung beisteuern.
Damit entsprach Ornishs Konzept wesentlichen Grundzügen, die auch die Anthroposophische Medizin auszeichnen. Sie baut ebenfalls auf die Eigenaktivität des Patienten, sie setzt den Willen, wieder heil werden zu wollen, voraus und ermuntert jeden einzelnen, selbst an der Therapie mitzuwirken. Denn Gesundheit muss täglich aufs Neue errungen werden, sie ist ein dynamischer Prozess.